Was ist das eigentlich, das HavannaAcht?Das HavannaAcht existiert seit über 25 Jahren als Kollektiv in ständig wechselnder Besetzung. Im Augenblick schmeißen wir den Laden zu dritt.
Wir versuchen, in unserem Arbeitsalltag – denn Kneipe bedeutet in erster Linie Arbeit – einiges von dem umzusetzen, was unseren gesamtgesellschaftlichen Wunschvorstellungen entspricht. Dass das HavannaAcht kein vom feindlichen Kapitalismus ruhig umflutetes Inselchen darstellt, auf dem wir schalten und walten können, wie wir wollen, wird uns auf Grund der ökonomischen Zwänge, denen wir ausgesetzt sind, regelmäßig schmerzhaft bewusst. Das heißt im Klartext: Wir haben Pacht, Versicherungen, Steuern, Abgaben, Konzessionsgebühren und all sowas zu bezahlen und unsere Einnahmen decken kaum die Ausgaben. Innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens versuchen wir aber, uns durch unsere kollektiven Strukturen Freiheiten zu schaffen, die uns von anderen wirtschaftlich arbeitenden Betrieben unterscheiden.
Im Kollektiv zu arbeiten bedeutet für uns, dass jede_r grundsätzlich gleich viel zu sagen hat. Wir versuchen, Verantwortung gleichmäßig zu verteilen, was voraussetzt, sich auf andere verlassen zu können und selbst zuverlässig zu sein. Da an Entscheidungsprozessen jede_r teilnehmen können soll, kommt es natürlich häufig zu Konflikten, da sich die individuellen Bedürfnisse und Vorstellungen der einzelnen oft erheblich voneinander unterscheiden. Unser Anspruch ist es, trotz aller Unterschiede zu Entscheidungen zu kommen mit denen jede_r leben kann. Es ist ein Versuch Auseinandersetzungen innerhalb des Kollektivs als produktive Chance zu nutzen und Unterschiede auch anerkennen zu können.
Diese persönlichen und inhaltlichen Auseinandersetzungen sind sowohl Anstoß für individuelle Veränderungen als auch notwendig für eine Weiterentwicklung kollektiver Ideen. „Kollektiv“ ist für uns kein starrer Begriff, sondern verlangt danach, ständig überdacht und aktuellen Diskussionen und Verhältnissen angepasst zu werden.
Aktuelles Beispiel dafür ist die Diskussion um linke Räume bzw. linke Praxis. Wir stellen uns hier die Frage, inwiefern kollektivistisch organisierte Arbeit linke politische Praxis ist und ob sie als solche wahrgenommen bzw. anerkannt wird. Im speziellen stellt sich die Frage für uns, inwiefern das HavannaAcht als links-emanzipatorische Praxis und politischer Raum wahr- und angenommen wird.
Diese Diskussionen prägen – das hoffen wir zumindest – auch den Kneipenalltag.
Es ist uns wichtig einen sozialen Raum zu schaffen, der sich von anderen Kneipen unterscheidet. Es soll im Kollektiv und auch bei den Besucher_innen Konsens sein, dass sowohl (hetero-)sexistische und rassistische Anmachen, als auch antisemitische Sprüche in unserem Laden nicht laufen. Die Definitionsmacht darüber, was Anmache ist, soll dabei bei den sich belästigt Fühlenden liegen. In einer solchen Situation sollte sich niemand scheuen, sich bemerkbar zu machen und/oder zu wehren; ihr werdet damit nicht allein gelassen.
Wir sehen unsere Aufgabe im Mikrokosmos Marburg darin, einen Treffpunkt zu schaffen und Angebote zu machen für die Leute, die sich nicht dem kulturellen und politischen Mainstream unterwerfen wollen. Das HavannaAcht soll Raum bieten für politische Themen, die in der bürgerlichen Öffentlichkeit keinen Platz finden; dazu gehört für uns, den Besucher_innen eine Palette an Zeitschriften aus dem Bereich linker Gegenöffentlichkeit zugänglich zu machen, sowie – leider zu selten – politische Veranstaltungen und Diskussionen zu organisieren.
Zwar schätzen wir von allen Gedanken natürlich am meisten die interessanten, doch ein wichtiger (der wichtigste?) Bereich dessen, was das HavannaAcht ausmacht, ist bei dem ganzen verkopften Geschwätz jetzt doch auf der Strecke geblieben: Spaß. Ekstase. Rausch. Exzesse. Parties. Konzerte. Leute treffen. Gute Musik hören. Den Kapitalismus untern Tisch saufen!
Was ihr aus unserem Angebot macht, bleibt Euch überlassen. Es gibt viele Möglichkeiten für Besucher_innen, den Raum des HavannaAcht in ihrem Sinne zu gestalten. Wir möchten an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen, dass es nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht ist, dass sich auch Leute außerhalb des Kollektivs bei der Nutzung unseres / euren Raumes einbringen. Unser Arbeitsalltag lässt es oft nicht zu, so aktiv zu sein, wie wir es gern wären, deshalb sind wir für politische Veranstaltungen, Singer&Songwriter Abende, Ausstellungen, Kickerturniere o.ä. immer zu haben. Unsere regelmäßigen Veranstaltungen bestehen derzeit aus der Liquid Lounge [div. Djs sorgen an div. Sonntagen für chillige beats] und der Lausch.Lounge [ jeden 1. Sonntag im Monat bis 22uhr Hörspiele hören].
Kommt vorbei, schauts euch an, habt Spaß und nette Abende, gebt uns Euer Geld; ungefähr so stellen wir uns den Beginn einer wunderbaren Freundschaft vor.
Eurer Lieblingskneipenkollektiv
[2008]